BENJAMIN BERGMANN
1968 geboren in Würzburg
1991-1994 Ausbildung zum Holzbildhauer
1995-2001 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München
bei Prof. Asta Gröting
2001 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste, München
2008-2009 Gastprofessur, Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
Preise und Stipendien (Auswahl)
2001 Debütantenpreis, Akademie der Bildenden Künste, München
2002 Bayerischer Kunstförderpreis, Freistaat Bayern
2003 USA Stipendium, Freistaat Bayern
2008 Arbeitsstipendium, Kunstfonds Bonn
2009 Atelierstipendium, Sankt Petersburg, Russland
2011 VHV “Künstler des Jahres“, Hannover
2012 Kunstpreis der Stadt Nordhorn
2013 Atelierstipendium, Montreal, Kanada
2015 Deutsches Studienzentrum Venedig
Ausstellungen Auswahl
2023 Phantom; Apartment der Kunst, München (Solo)
2022 Mix and Match, Pinakothek der Moderne, München //
G2 Schaulager, Sammlung Hildebrand, Leipzig
2021 Sound and Silence, Kunstmuseum Bonn //
THE WORLD: REGLITTERIZED, Haus der Kunst, München // stoa169, Polling
2020 R.W.F. alive, mim - Raum für Kultur, München // Lichtparcours 2020, Braunschweig //
Pas de deux, Knust Kunz Gallery Editions, München //
Walking Through the Fields of History, Galerie Jochen Hempel, Leipzig
2019 THE REVOLUTION WILL NOT BE TELEVISED, Sprengel Museum Hannover (Solo) //
Lichtparcours 2020, Kunstverein Braunschweig // Sinnesrausch, Oberösterreichisches
Kulturquartier (OK), Linz, Österreich // confine, Galleria Michela Rizzo, Venedig //
Movimento, Galerie Jochen Hempel, Leipzig (Solo)
2018 Höhenrausch, Oberösterreichisches Kulturquartier (OK), Linz, Österreich //
stillleben, Kunstverein Konstanz (Solo) // Bambi goes Art, Hase 29, Osnabrück //
„68“, Artothek und Stadtmuseum, München (Solo)
2017 Revision, Kunstmuseum Bonn // IJsselbiennale 2017, Doesburg bis Kampen, Niederlande //
Untereck 5, Galerie Jochen Hempel, Berlin (Solo) // Q & A, Städtische Galerie im Lenbachhaus und
Kunstbau, München & Munich Re Art Collection //
Biennale Le latitudini dell‘arte, Palazzo Ducale, Genua, Italien
2016 Echtzeit - Die Kunst der Langsamkeit, Kunstmuseum Bonn //
Emscherkunst 2016, Dortmund // Bleed II, Museum Plein, Amsterdam, Niederlande //
Salon International des Arts de Nuit Festival de Bobanisme, Paris, Frankreich //
A Perfect Match, Pinakothek der Moderne, München
2015 So ein Ding muss ich haben, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München //
Sculpture 2015, Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl
2014 Tatort Paderborn, Paderborn // links oben unten rechts, Galerie Jochen Hempel, Leipzig (Solo)
2013 Le Noveau Bureau, Quartier des Spectacle, Montreal, Kanada (Solo) //
Visionen, Marta Herford, Herford
2012 Im Raum des Betrachters - Skulptur der Gegenwart, Pinakothek der Moderne, München //
Mediations Biennale, Posen, Polen // Benjamin Bergmann - Kunstpreis der Stadt Nordhorn,
Städtische Galerie Nordhorn (Solo)
2011 Benjamin Bergmann - Artist of the Year, VHV Versicherungsgruppe, Hannover (Solo) //
Never Ever, ehemaliges Leibniz Rechenzentrum, Technische Universität, München (Solo) //
Light in Darkness, Western Bridge, Seattle, USA
2010 repair, Ars Electronica 2010, Linz, Österreich //
Dancing on the Ceiling, Experimental Media and Performing Arts Center, Troy, USA
2009 ... how long does it take to break?, AL Gallery, Sankt Petersburg, Russland (Solo) // Art on Site,
National Centre for Contemporary Arts (NCCA), Moskau, Russland
2008 tief unten tag hell, Pinakothek der Moderne, München (Solo)
2007 Made in Germany, Sprengel Museum, Kestner Gesellschaft und Kunstverein, Hannover //
Vistazo. La transformación de la cotidiano, Museo dell Arte Carillo Gil, Mexiko-Stadt, Mexiko //
Mondi Possibili, Galerie Sprüth Magers, Köln
2006 Beben, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München (Solo) //
Ear Appeal, Kunsthalle Exnergasse, Wien, Österreich //
Es war alles noch viel schlimmer!, Neuer Kunstverein Aschaffenburg, Bötzow Brauerei
und Pampero Apartment, Berlin // Young Bavarian Art, Gagosian Gallery,
4. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, Berlin
2005 Dorothea von Stetten Kunstpreis 2004, Kunstmuseum Bonn // Benjamin Bergmann, Sprüth
Magers Projekte, München (Solo) // Fraktale 2005, Palast der Republik, Berlin //
Tunnelfassade, Ortstermine 2005, München (permanente Installation) //
Theatrum Sacrum, Schauspiel Frankfurt, Frankfurt am Main (Solo)
2004 Arbeiten auf Papier, Galerie Sprüth Magers Projekte, München //
Raveland, 8. RischArt_Projekt, München //
Benjamin Bergmann, Schreien der Möwe, ACC Weimar (Solo)
2003 Bayerischer Staatsförderpreis 2002, BBK, Galerie der Künstler, München //
Abendmahl, Mailand, Italien (Solo) // Wir Hier, Lothringer 13, München //
Campanile, Schloß Suresnes, Katholische Akademie Bayern, München (Solo)
2002 Box von Jericho, Debütantenausstellung, Akademie der Bildenden Künste, München //
Beben II, Galerie Sprüth Magers Projekte, München //
Benjamin Bergmann
Phantom
Ideen und Inspiration zu einem neuen Werk fallen nicht vom Himmel. Sie biegen auch nicht um die nächste Ecke oder springen mich aus einem Hinterhalt unvermittelt an. Schon eher ist es eine Mischung aus Zufall und der Lust, mich - wann immer ich dazu in der Lage bin - mit wachen Augen durch das tägliche Leben zu bewegen.
Mit Gewissheit lässt sich festhalten, dass es Bilder sind, die einen nachhaltigen Einfluss auf ein neues Werk nehmen. Bilder von der Welt, unserer Welt, der Natur, den Dingen, Dörfern, Städten und dem Leben. Abbilder von und über uns Menschen, die für mich, in meiner ganz persönlichen Wahrnehmung aus dem Gewöhnlichen ausbrechen; sonderbar, verwirrend, irritierend sind und in dieser Weise nachhaltig wirken. Sie regen mich zum Denken und Nachdenken an. Sie werfen in mir Fragen auf. Je größer die Frage, je schwerer eine mögliche Antwort zu finden ist, desto besser das Bild.
Im Sinne eines Wettstreits hat wohl dann das Bild gewonnen, auf dessen Frage es keine Antwort, sondern womöglich nur noch mehr Fragen gibt. Diese Bilder sammle ich, lege sie in kleine Kisten und - seitdem es Computer gibt - auch in digitalen Ordnern ab. Die Ordner bekommen unterschiedliche Namen. Namen, um sie inhaltlich zu sortieren oder auch um die Bildersammlungen zeitlich und örtlich voneinander zu trennen. Offen gestanden absolut unsystematisch, chaotisch und doch irgendwie hilfreich.
Mit solchen Sammlungen stehe ich selbstverständlich nicht allein. Unzählige, womöglich alle KünstlerInnen, verfügen über ein solches Archiv aus Fotos, Zeitungsausschnitten, Texten, Songs und vielem mehr. Eine der bekanntesten Sammlungen in Bildform, die das Leben eines Künstlers konsequent begleitet und auf mich wie ein Tagebuch wirkt, ist „Atlas“ von Gerhard Richter.
In der Ausstellung „Phantom“ präsentiere ich anlässlich des zehnjährigen Bestehens des apartment der kunst einen Teil meines persönlichen Archivs in Form einer Raumcollage aus schwarzweißen und farbigen Bildern.
Phantom ist die unwirkliche Erscheinung, das beängstigend Unbekannte, die Sinnestäuschung und das Trugbild. Das Ausstellungsprojekt “Phantom“ vereint Themen und Eigenschaften, die sich mit meinem gedanklichen Kosmos überlagern und so auch in meinen Werk (zumindest einem wesentlichen Teil davon) eine wichtige Rolle einnehmen. Bilder, die von Schönheit und einer Poesie der Abwesenheit erzählen. Ereignisse, die aufgeladen sind von einer absurden und verführerischen Ästhetik des Verfalls und der Vergänglichkeit. Bilder aus Licht und Schatten, die von Fehlern und vom Scheitern handeln, der Täuschung der Sinne und den vielen Dingen, die sich verflüchtigen und nicht zu greifen sind.
Anders jedoch als bei Gerhard Richter‘s Atlas ist die von mir präsentierte Sammlung Archiv und Täuschung zugleich. Denn Bilder, die ich über Jahre gesammelt habe, sind in „Phantom“ vermischt mit den Fundstücken einer schnellen und oberflächlichen Recherche im Internet. Einiges entspricht dem Geschehnissen und der Wirklichkeit, manches ist gestellt, digital manipuliert und der Realität entrissen.
Welches Bild also tatsächlich meinem persönlichen Kosmos beziehungsweise meiner mich beflügelnden Sammlung entstammt und welche Bilder der Suche nach Schlagworten und Phänomenen im Internet geschuldet ist, wird zum Rätsel für die BetrachterInnen. Mein augenscheinlich gegebenes Versprechen, Einblick in die Entstehung und Motivation für ein neues Kunstwerk zu geben erweist sich als falsch. „Phantom“ ist Erkenntnis und „Phantom“ ist Trugbild zugleich.
Die Umsetzung meines Vorhabens im apartment der kunst ist mir immer noch nicht klar vor Augen. Ich hab wohl eine Ahnung davon und den einen oder anderen Versuch unternommen. Vieles ergibt sich in eben diesem Moment (beim Nachdenken und Schreiben) und wird sich dann zeigen, im apartment für kunst.
Benjamin Bergmann, im August 2023